Hurra, wir dürfen wieder öffnen... oder doch nicht?

In Hessen darf Yoga wieder in geschlossenen Räumen unterrichtet werden.

Die Freude über diese Nachricht war groß, da mir der persönliche Kontakt zu Menschen und das Unterrichten von Angesicht zu Angesicht sehr, sehr fehlt.

Etwas mehr Aufwand müsste für eine Wiedereröffnung betrieben werden. Hygienekonzepte müssen ausgearbeitet werden, die Abstandregeln müssen eingehalten werden. Kein großes Problem... dachte ich.

Nachdem ich mir das Video von Christopher Willer „Wiedereröffnung aller Yogaschulen möglich? - Abstandsreglung für kleine Yogastudios realisierbar?“ angeschaut habe, habe ich bei meinem Raum einmal ganz genau nachgemessen. Da ich unter normalen Bedingungen für Yin Yoga bequem 8 Leute mit genug Platz um jede/n herum für genug Bolster und andere Hilfsmittel habe, hat mich das Messergebnis ziemlich schockiert.


Wenn ich bei einem 2m Abstand nicht einbeziehe, dass in manchen Positionen Arme und Beine nicht mehr komplett auf der Matte liegen und dem Nachbarn näher kommen, bekomme ich gerade so 2 TeilnehmerInnen in meinen Raum. Eine kleine, persönliche und angenehme Runde, die ich zu anderen Zeiten wirklich sehr zu schätzen weiß. Nur lohnt sich das mit den momentanen Auflagen überhaupt nicht. Schon deshalb, da ich zusätzliche Ausgaben hätte, um im Eingangs- und WC Bereich Desinfektionsmittel bereitzustellen und den Boden nach jeder Stunde zu desinfizieren. Das geht allerdings auch davon aus, dass alle für Yin Yoga Stunden eigene Matten und sämtliche Hilfsmittel mitbringen und mir somit zusätzliche Desinfektionkosten und -stunden ersparrt bleiben. "Ausleihen" darf ich meine Matten und Hilfsmittel nur, wenn diese durch ein eigenes Handtuch des Schülers bedeckt werden, aber desinfizieren oder waschen müsste ich es danach trotzdem.

In normalen Stunden haben einige schon 2-3 Bolster oder auch mal 4 Blöcke genutzt, um sich selbstverständlich die Positionen so angenehm wie möglich zu gestalten. Viele kommen bei gutem Wetter zu Fuß oder mit dem Rad und ich möchte niemandem eine solche Schlepperei oder die Unkosten, sich selbst viele Hilfsmittel anzuschaffen, zumuten. Die Preise zu erhöhen, um damit einen Mehraufwand und weitere anfallende Kosten zu decken sehe ich nicht ein. Ich möchte eine entspannte Wohlfühlatmosphäre bieten. Eine Ruheoase, in der alle nach einem stressigen Alltag entspannen können und mit neuer Energie wieder nach Hause gehen. Aber dafür sehe mit den momentanen Auflagen keinen geeigneten Weg, zumindest für (Yin) Yoga in kleinen Räumen.


Lange habe ich über Online Unterricht nachgedacht und es ausprobiert, aber ich fühle mich damit nicht 100%ig wohl. Mir fehlt das direkte Feedback, kleinste Veränderungen in der Körpersprache und Mimik, die Möglichkeit Hilfestellungen zu geben oder einfach ein Bolster mehr hinzulegen. Ich fühle mich in dem eingeschränkt, was ich meine Schülern und Schülerinnen bieten kann und will. "Online ist besser als gar nichts", dachte ich am Anfang, aber da es mittlerweile Unmengen an kostenlosen Angeboten gibt, sehe ich meine Chancen als sehr gering an auch hierfür meine Unkosten decken zu können. Es ist gerade jetzt wichtiger denn je, Entspannung und Ruhe zu finden, sich mit sich selbst zu beschäftigen und zu sich zu finden oder auch mal bei sich zu bleiben. Ich möchte Yoga anbieten, Menschen Atemtechniken zu Entspannung vermitteln, aber von Luft und Liebe kann leider momentan kaum ein Yogi leben. Deshalb hoffe ich, dass sich demnächst alles weiter entspannt und wir uns bald wieder gesund und munter auf der Matte sehen können!


Namasté!

Jennifer



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